Histamin und die Symptome
- Mya

- 23. Okt. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Warum Antihistaminika nicht immer die volle Wirkung zeigen
Antihistaminika sind oft die erste Behandlungsmaßnahme bei Symptomen wie Juckreiz, Schwellungen oder Magen-Darm-Beschwerden, die auf eine Freisetzung von Histamin hindeuten. Sie wirken, indem sie die Bindung von Histamin an bestimmte Rezeptoren blockieren. Dennoch erleben viele Betroffene, dass ihre Beschwerden trotz Einnahme von Antihistaminika nur teilweise oder gar nicht nachlassen.
Dafür gibt es im Wesentlichen vier Hauptgründe:
1. Die Mastzelle setzt mehr als nur Histamin frei
Mastzellen sind die zentralen Akteure bei Überempfindlichkeitsreaktionen. Sie schütten nicht nur Histamin aus, sondern ein ganzes Spektrum von über 200 Entzündungsmediatoren, darunter:
Leukotriene: Können Bronchialkrämpfe (Bronchokonstriktion) und Entzündungen auslösen.
Prostaglandine (z. B. PGD2): Sind an Kopfschmerzen und Gefäßerweiterung beteiligt.
Tryptase und andere Enzyme: Greifen Gewebe an und verstärken Entzündungsreaktionen.
Zytokine: Steuern Immunreaktionen und können systemische Symptome wie Müdigkeit, Fieber oder allgemeines Unwohlsein verursachen.
Ein Antihistaminikum blockiert lediglich die Wirkung von Histamin an bestimmten Rezeptoren. Die Beschwerden, die durch die Aktivität dieser anderen Botenstoffe entstehen (z. B. Bauchkrämpfe durch Leukotriene oder Kopfschmerzen durch Prostaglandine), werden dadurch nicht gelindert.
2. Spezifische Histamin-Rezeptoren bleiben unblockiert
Histamin entfaltet seine Wirkung über vier verschiedene Rezeptortypen im Körper:
H1-Rezeptor: Vermittelt Juckreiz, Hautrötung, Schleimhautschwellung und Bronchienverengung.
H2-Rezeptor: Reguliert die Magensäureproduktion, die Herzfrequenz und die Gefäßerweiterung.
H3-Rezeptor: Ist im Nervensystem aktiv und beeinflusst Schlaf-Wach-Rhythmus und Neurotransmitter.
H4-Rezeptor: Befindet sich auf Immunzellen und ist an der Entzündungsregulation beteiligt.
Viele gängige, klassische Antihistaminika blockieren nur die H1-Rezeptoren. Beschwerden, die über die H2-, H3- oder H4-Rezeptoren vermittelt werden (z. B. Magensäureprobleme, Herzfrequenzsteigerung), bleiben daher bestehen, was die Wirkung oft nur unvollständig macht.
3. Störung beim Histaminabbau (DAO/HNMT)
Symptome, die wie ein „Histaminproblem“ aussehen, können auch durch einen gestörten Abbau von Histamin entstehen, der nichts mit einer akuten Freisetzung aus den Mastzellen zu tun hat.
Ist das abbauende Enzym Diaminoxidase (DAO), das hauptsächlich im Darm für den Abbau von Histamin aus der Nahrung zuständig ist, in seiner Funktion eingeschränkt, reichert sich Histamin im Körper an.
Das Enzym Histamin-N-Methyltransferase (HNMT), das körpereigenes Histamin im Gewebe abbaut, kann ebenfalls eine Schwäche aufweisen.
In diesen Fällen, wo das Problem im erhöhten Histaminspiegel liegt, wirkt ein Antihistaminikum nur begrenzt. Es blockiert zwar die Rezeptoren, senkt aber nicht die eigentliche Histaminlast.
4. Chronischer „Alarmmodus“ der Mastzellen
Bei wiederholten oder chronischen Reizen (wie Infektionen, Stress, einem "Leaky Gut" oder latenten Viren) können Mastzellen in einem dauerhaften Überwachungs- und Alarmmodus verbleiben (Mastzellaktivierungssyndrom).
Auch wenn durch Antihistaminika das Histamin blockiert wird, setzen die überreizten Mastzellen weiterhin andere entzündliche Mediatoren ab. Dies erklärt, warum viele Menschen mit chronischer Mastzellaktivierung trotz Antihistaminika eine fortlaufende Symptomatik zeigen.
Fazit und Behandlungsperspektive
Ein Antihistaminikum ist effektiv, wenn Histamin der Hauptauslöser ist. Da die Mastzelle jedoch eine Vielzahl von Entzündungsstoffen freisetzt und Histamin über verschiedene Rezeptoren wirkt, ist eine alleinige H1-Blockade oft nicht ausreichend, insbesondere bei chronischen oder komplexen Beschwerdebildern.
Eine umfassendere Behandlungsstrategie, oft als Stufentherapie bezeichnet, sollte daher folgende Ansätze kombinieren:
Antihistaminika: Ggf. kombiniert (H1- und H2-Blocker).
Mastzellstabilisierung: Um die Freisetzung aller Mediatoren zu hemmen.
Unterstützung des Histaminabbaus: Ggf. durch die Einnahme von DAO-Enzymen und Kofaktoren (wie Vitamin C, B6, Zink).
Darm- und Barriereheilung: Maßnahmen wie die Zufuhr von Ballaststoffen (z.B. Pektin), spezifischen Eiweißen, Knochenbrühe, Probiotika und mineralischen Substanzen (z.B. Huminsäure oder Tonerde) zielen auf die Regeneration der Darmschleimhaut ab.
Die Bakterienpräparate Mutaflor und Lacteol haben in Studiengute Effekte gezeigt.
L. rhamnosus M9 wird zusammen mit Bifidobacterium lactis M9 eine blutdrucksenkende Wirkung zugeschrieben.
Lactobacillus GG wird zur Darmsanierung nach Antibiotika eingesetzt und es gibt zahlreiche Präparate.
Antioxidativer Schutz: Zur Reduktion des oxidativen Stresses, der die Mastzellen triggern kann.
Dieser ganzheitliche Ansatz mag komplex klingen, lässt sich aber schrittweise gut in den Alltag integrieren und adressiert die Ursachen umfassender.
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